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Westfälische Forschungen

Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte verfügt mit den „Westfälischen Forschungen“ über eine eigene Zeitschrift, die einmal jährlich erscheint. Dieses Periodikum versteht sich als wissenschaftliches Publikationsorgan der modernen Regionalgeschichte Westfalens. Das breite Themenspektrum erstreckt sich von der Frühen Neuzeit bis hin zur Zeitgeschichte. Die Zeitschrift enthält seit 1989 einen Aufsatzteil, in dem Autorinnen und Autoren unterschiedlicher Fachdisziplinen vorgegebene Schwerpunktthemen behandeln. Darüber hinaus gehören Beschreibungen laufender Forschungsprojekte zur westfälischen Regionalgeschichte, Jahresberichte der wissenschaftlichen Kommissionen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe sowie ausführliche Forschungs- und Literaturberichte zum festen Repertoire der Zeitschrift. Jeder Jahresband enthält einen umfangreichen Rezensionsteil und eine aktuelle Übersicht über die in anderen Zeitschriften publizierten Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens. Die „Westfälischen Forschungen“ erscheinen im Aschendorff Verlag (Münster).

Weitere Informationen zu der historischen Zeitschrift und den Einzelbänden

Bände 39 bis 45

Band 39 (1989): Vereine in Westfalen im 19. Jahrhundert

733 Seiten
Aschendorff Verlag Münster
€ 65,50 – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09216-6

„Vereine in Westfalen im 19. Jahrhundert“ sind das zentrale Untersuchungsfeld dieses Bandes. 15 Autoren behandeln unterschiedliche Aspekte des Vereinswesens und ausgewählte Vereinstypen. Zwei weitere Themenkomplexe sind dem „Jüdischen Leben in Westfalen“ sowie Fragen der „Migration und Migrationsforschung“ gewidmet. Besonderes Interesse verdienen zwei Berichte über regionalgeschichtliche Forschungsprojekte der Universität Münster: „Verwaltungsreformen im Zeichen der Französischen Revolution“ sowie „Verfolgung, Verweigerung und Widerstand in Westfalen in der NS-Zeit“. Vier ausführliche Forschungs- und Literaturberichte informieren über neuere Arbeiten zur westfälisch-lippischen Handwerksgeschichte, über Arbeitergeschichte des 19. Jahrhunderts im Ruhrgebiet und im südlichen Westfalen, Bildungsgeschichte des Ruhrgebiets sowie über Stand und Aufgaben historischer Hausforschung in Nordwestdeutschland. Ein umfangreicher Rezensionsteil und eine Übersicht über Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens beschließen den Band.

Band 40 (1990): Zur Agrargeschichte Westfalens im 19. und 20. Jahrhundert

882 Seiten
Aschendorff Verlag Münster
€ 65,50 – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09217-4

Beiträge zur Agrargeschichte Westfalens im 19. und 20. Jahrhundert bilden das Schwerpunktthema des Bandes. Neben einer ausführlichen Untersuchung zum gegenwärtigen Forschungsstand behandeln 17 Autoren unterschiedliche Aspekte aus den Bereichen Agrarverfassung, Agrarrecht, Siedlungs- und Sozialgeschichte, Produktionsformen und Bodennutzung. Besonderes Interesse verdient darüber hinaus ein Bericht über den Wiederaufbau der westfälischen Verbandsdiakonie nach 1945. Drei ausführliche Forschungs- und Literaturberichte informieren über den Stand der volkskundlichen Hausforschung in Westfalen, über die Modernisierung öffentlicher Armenfürsorge im 19. Jahrhundert am Beispiel der Stadt Münster sowie über neue regionale und lokale Studien zur NS-Zeit. Ein umfangreicher Rezensionsteil, eine Übersicht über Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens sowie ein Verzeichnis unveröffentlichter Staatsexamens- und Magisterarbeiten beschließen den Band.

Band 41 (1991): Westfälische Städte und Stadtregionen seit dem Zweiten Weltkrieg

695 Seiten
Aschendorff Verlag Münster
€ 65,50 – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09218-2

Beiträge über westfälische Städte und Stadtregionen seit dem Zweiten Weltkrieg bilden den thematischen Schwerpunkt des 41. Bandes. Sozial- und Wirtschaftshistoriker, Geographen und Volkskundler untersuchen in zwölf Aufsätzen städtische Strukturen und Funktionen: von den Wohnverhältnissen und Lebensbedingungen in den Mittelstädten der ländlichen Zone über zentralörtliche Verflechtungen in einzelnen Verdichtungsgebieten oder Oberzentren bis hin zu unterschiedlichen Auswirkungen der Industrialisierung im ländlichen Raum oder im multifunktionalen Verdichtungsraum Rhein-Ruhr. Ein weiterer Themenkomplex ist der westfälischen Siedlungsforschung gewidmet. Zwei Beiträge berichten über mittelalterliche Handschriften in der Universitätsbibliothek Düsseldorf und den "Tag von Potsdam" in Westfalen. Besonderes Interesse verdienen auch Berichte über laufende Forschungsprojekte.

Band 42 (1992): Herrschaft, Religion und Volk. Staatliche und gesellschaftliche Formierungsprozesse seit dem 16. Jahrhundert

697 Seiten
Aschendorff Verlag Münster
€ 65,50 – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09219-0

Die Geschichte von Konfessionalisierung und sozialer Disziplinierung durch geistliche und weltliche Obrigkeiten seit dem 16. Jahrhundert bildet den thematischen Schwerpunkt des 42. Bandes. Neun ausführliche Beiträge befassen sich mit der theoretischen Debatte über diese in der Geschichtsschreibung der Frühen Neuzeit stark diskutierten Fragestellungen sowie mit konkreten Einzelaspekten der Durchsetzung in Westfalen und - interregional und international vergleichend - anderen Territorien. Ein weiterer Themenkomplex ist der NS-Kulturpolitik in Westfalen gewidmet. Besonderes Interesse verdient ein Bericht über ein laufendes Forschungsprojekt der Universität Siegen. Fünf ausführliche Forschungs- und Literaturberichte informieren über kirchliche Zeitgeschichte in Westfalen, Bürgertumsforschung, Frauenstadtgeschichte sowie regionalhistorische Frauenforschung in den Niederlanden.

Band 43 (1993): Der Wohlfahrtsstaat in der Stadt. Wohlfahrtspolitik und Wohlfahrtspflege in Westfalen (1890-1945)

999 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 65,50 – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09222-0

Die Geschichte von Wohlfahrtspolitik und Wohlfahrtspflege zwischen 1890 und 1945 bildet den Themenschwerpunkt des 43. Bandes. 13 Beiträge untersuchen in systematischem Zugriff bzw. an ausgewählten kommunalen Beispielen zentrale Problemfelder bei der Herausbildung des modernen Wohlfahrtsstaates in Westfalen-Lippe und in anderen Regionen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet der bilanzierende 12. Beitrag zur statistischen Darstellung der gewerblichen Wirtschaft Westfalens um 1800. Besonderes Interesse verdienen Berichte über frühneuzeitliche Kleinstädte sowie über den westfälischen Oberpräsidenten Ferdinand von Lüninck. Fünf Forschungs- und Literaturberichte informieren über das Ruhrgebiet im Industriezeitalter, über neuere Literatur zur NS-Gesundheits- und Rassenpolitik, über neue regionale und lokale Studien zur NS-Zeit, über Westfalia Judaica im Leo Baeck Institut New York und über Frauen-Geschichte zwischen Weimar und Bonn.

Band 44 (1994): Das Modell 'England' in den regionalen Lebenswelten im 18. und 19. Jahrhundert

730 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09223-9

"Das Modell 'England' in den regionalen Lebenswelten im 18. und 19. Jahrhundert": So lautet der Themenschwerpunkt des 44. Bandes. In 14 Aufsätzen werden an ausgewählten Beispielen englische Einflüsse in Westfalen und seinen Nachbarregionen untersucht. Das Spektrum der Beiträge umfasst u.a. Agrar- und Industriepolitik, Technologie, Verfassungsgeschichte sowie Literatur- und Architekturgeschichte und eine Reihe weiterer kulturhistorischer Themen. Besonderes Interesse verdienen darüber hinaus eine ausführliche verfassungsgeschichtliche Fallstudie zum westfälischen Adel im Hochmittelalter und ein biographischer Beitrag über den Landeshistoriker Franz Petri (1903-1993). Schließlich enthält der Band auch Forschungs- und Literaturberichte zur Geschichte der Wohlfahrtspflege in Westfalen-Lippe nach 1945 und zur Geschichte der deutschen Eisen- und Stahlindustrie während des Kaiserreiches und der Weimarer Republik.

Band 45 (1995): Weiblichkeit und Männlichkeit als soziale und kulturelle Praxis im 19. und 20. Jahrhundert

548 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09224-7

"Weiblichkeit und Männlichkeit als soziale und kulturelle Praxis im 19. und 20. Jahrhundert" lautet der geschlechtergeschichtliche Themenschwerpunkt des 45. Bandes. Nach einer Einführung zum Thema verfolgen elf Autorinnen und Autoren in interdisziplinärer Perspektive an Beispielen aus Politik-, Sozial-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte die Frage, wie Weiblichkeit und Männlichkeit in unterschiedlichen sozialen Gruppen und Kontexten erlebt und gedeutet, adaptiert und genutzt wurden. Besonderes Interesse verdient darüber hinaus eine volkskundlich-kulturhistorische Studie über die regionale westfälische Küche zwischen Stereotyp und Realität. Zwei Beiträge stellen Bestände aus Lippischen NS-Kreisleitungen im Staatsarchiv Detmold sowie den vom Westfälischen Institut für Regionalgeschichte erworbenen Nachlass des Rabbiners Hans Chanoch Meyer vor. Eine Reihe von Forschungsberichten sind den Themen katholische Konfession und Kirchenzucht im 17. und 18. Jahrhundert, 350 Jahre Westfälischer Friede, west- und ostdeutsche Stahlindustrie 1950-1970 sowie der Arbeit des Landeskundlichen Instituts Westmünsterland gewidmet.

Bände 46 bis 50

Band 46 (1996): Regionale Historiographie im Spannungsfeld von Politik und Wissenschaft

855 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09225-5

"Regionale Historiographie im Spannungsfeld von Politik und Wissenschaft" ist der Themenschwerpunkt des 46. Bandes. Nach einer Einführung zu Problemen deutscher Landesgeschichtsschreibung vom Kaiserreich bis zu den beiden Teilstaaten nach 1945 beleuchten 16 Autoren und Autorinnen im regionalen und epochalen Vergleich die Wechselwirkungen zwischen Politik und Landesgeschichte, zwischen kulturpolitischen Regional- und Länderinteressen und wissenschaftlichen Konzeptionen. Besonderes Interesse verdient darüber hinaus eine Kontroverse zum Fragenkreis "Rassenhygiene, Nationalsozialismus, Euthanasie". Eine Reihe von Forschungs- und Literaturberichten informieren über die historiographische Tradition und Konzeption des Westfälischen Instituts für Regionalgeschichte, über Umwelt- und Forstgeschichte als museale und wissenschaftliche Aufgabe sowie über Neuerscheinungen zur Zeitgeschichte der Jugend. Zwei Beiträge stellen Quellenbestände zur nordrhein-westfälischen Eisenbahngeschichte und zur Geschichte der VARTA Batterie AG vor.

Band 47 (1997): Kultur und Gesellschaft in Westfalen 1870-1970

975 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09226-3

Der Jahresband 1997 versucht an einzelnen Beispielen einen Überblick über Struktur und Wandel des kulturellen Spektrums in Westfalen zwischen 1870 und 1970 zu geben, insbesondere die Entwicklung der Form der Massenkultur zu behandeln. Ein zweiter Schwerpunkt setzt sich mit sozial und kulturell bestimmten Konflikten in der Frühen Neuzeit auseinander. Beispiele aus Münster und Lemgo zeigen, wie ständische Positionen innerhalb der Stadtgesellschaft verändert und abgesichert werden konnten. Darüber hinaus werden laufende Forschungs -und Verzeichnungsprojekte - u.a. zum demographischen Wandel in Westfalen zwischen 1750 und 1870 und zum Umgang der nordrhein-westfälischen Justiz mit der NS-Vergangenheit - vorgestellt. Eine Replik zur These der Verschränkung von Eugenik und "Euthanasie" und ein Tagungsbericht über einen internationalen Kongress zum Thema "350 Jahre Westfälischer Frieden" beschließen den Band.

Band 48 (1998): Der gesellschaftsgeschichtliche Ort der '68er'-Bewegung

893 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09227-1

Im Mittelpunkt des 48. Bandes steht der "gesellschaftsgeschichtliche Ort der ‘68er'-Bewegung". 19 Autorinnen und Autoren beleuchten bislang kaum beachtete Facetten des Studentenprotests und analysieren die Rolle weiterer gesellschaftlicher Teilgruppen im Umbruch zwischen den sechziger und siebziger Jahren. Besonderes Interesse verdienen darüber hinaus die Beiträge zum Thema "Emigration und Integration" sowie der Schwerpunkt "Rechtspraxis und Lebenswelt in der frühen Neuzeit", der Zeugenverhöre in der ländlichen Lebenswelt des 16. Jahrhunderts und Fragen der adeligen Gerichtsherrschaft um 1700 behandelt. Forschungs-, Tagungs- und Projektberichte informieren über Zukunftserwartungen und Stadtreformkonzepte vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, über Perspektiven historischer Milieuforschung und über die Katalogisierung älterer Buchbestände in Westfalen.

Band 49 (1999): Die Revolution von 1848/49 in Westfalen

760 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09228-X

150 Jahre nach der Revolution von 1848/49 und 45 Jahre nach Wilhelm Schultes Klassiker "Volk und Staat" fällt die Forschungsbilanz zu den regionalen Voraussetzungen, Ereignissen und Folgen der Revolution in Westfalen - insbesondere wenn man mit den Maßstäben einer sozial-, gesellschafts- und mentalitätsgeschichtlich orientierten Historiographie urteilt - eher nüchtern aus. Der Band 1999 unternimmt mit seinem Themenschwerpunkt "Die Revolution von 1848/49 in Westfalen" den Versuch, unter aktuellen Fragestellungen neue Aspekte des Themas zu erschließen. Im Vordergrund stehen die gesellschaftspolitischen Ursachen und die verschiedenen Schichten des Revolutionsgeschehens, die Anfänge der politischen Kultur in Westfalen, die Generationenkonstellationen von 1848/49 und die langfristigen Folgen für den Politisierungs-, Demokratisierungs- und Industrialisierungsprozess. Ein weiterer Schwerpunkt ist dem Thema "Regionalismus und Neugliederungstendenzen zwischen Weimarer Republik und Bundesrepublik" gewidmet. Außerdem enthält der Band Beiträge über die erste Nachkriegssynode der Evangelischen Kirche in Bethel und über die Internetangebote zum Thema "Hexenverfolgung" sowie einen Bericht über das Forschungsprojekt "Gesellschaft in Westfalen. Kontinuitäten und Wandel 1930-1960" des Westfälischen Instituts für Regionalgeschichte.

Band 50 (2000): Unternehmen und Unternehmer. Markt – Organisation – Gesellschaft

667 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09229-8

Westfalen verfügt über eine in ihrer Größe, Struktur und Marktausrichtung hoch differenzierte Unternehmenslandschaft. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und politischen Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert (Stichwörter: Mitbestimmung, gelenkte Rüstungsproduktion, Globalisierung) hat sich das marktbezogene Umfeld der Unternehmen tiefgreifend gewandelt. Mit dem diesjährigen Themenschwerpunkt wollen die "Westfälischen Forschungen" im regionalen Kontext neuere Ansätze der Unternehmensgeschichte ausloten. Die Beiträge des Bandes beschreiben den Übergang vom personengebundenen Unternehmen zur Unternehmensorganisation, die Rolle des Staates und der Politik im Unternehmenssektor sowie die Determinanten wirtschaftlichen Erfolgs oder Misserfolgs bei mittleren und kleinen Unternehmen. Behandelt werden die für Westfalen besonders wichtigen Branchen Montanindustrie, metallverarbeitendes Gewerbe und Textilindustrie, aber auch staatliche Dienstleistungsunternehmen wie die Post. Weitere Beiträge sind dem "Wirtschaftlichen Wandel in Textilregionen" am Beispiel des Westmünsterlandes und der Region Minden-Ravensberg, den Funktionsträgern der staatlichen Verwaltung in der Provinz Westfalen zwischen 1918 und 1945/46 sowie der westfälischen Lehrerausbildung nach 1945 gewidmet. Außerdem enthält der Band Berichte über die Bibliothek des ehemaligen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst und das Fritz-Hüser-Institut in Dortmund. Die Jahresberichte des Westfälischen Instituts für Regionalgeschichte und der Westfälischen Kommissionen für Landeskunde, die Zeitschriftenschau des Jahres 1999 und 70 Besprechungen zu neuen regionalgeschichtlichen und landeskundlichen Publikationen beschließen den Band.

Bände 51 bis 55

Band 51 (2001): Erinnerungskultur in Westfalen: Die Weitergabe der Vergangenheit
Clemens Wischermann (Hg.)

700 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09230-1

Warum und auf welche Weise erinnern wir uns gemeinsam an bestimmte Zustände, Ereignisse und handelnde Personen in der Vergangenheit? Dieser Frage geht der 51. Band der Westfälischen Forschungen nach, der in diesem Jahr dem Themenschwerpunkt "Erinnerungskultur in Westfalen: die Weitergabe der Vergangenheit" gewidmet ist. Der im Auftrag des Westfälischen Instituts für Regionalgeschichte (LWL) vom Konstanzer Historiker Prof. Dr. Clemens Wischermann herausgegebene Band stellt nicht so sehr die Orte und Objekte des Gedächtnisses, sondern vor allem die Methoden des Erinnerns in den Mittelpunkt. 22 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben Beiträge zu diesem Thema verfasst und herausgefunden, dass sich die Art und Weise der Erinnerung in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Das politische Bemühen um ein gemeinsames Gedächtnis, das am Ende des 19. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreichte, steht nicht mehr im Vordergrund; vielmehr finden heute engagierte und interessierte Bürger immer häufiger zu individuellen Formen der Erinnerung. Diese Entwicklung wird von den Autoren an zahlreichen Beispielen verdeutlicht. So wird gezeigt, wie das Stadtarchiv Münster die städtische Erinnerungskultur unterstützt und mitgestaltet, wie man sich in Paderborn an die Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt und die Schriftstellerin Luise Hensel erinnert, welche Schwierigkeiten es machte, ein geeignetes Denkmal für Kardinal von Galen auf dem Domplatz in Münster zu finden, und in welcher Form die Erinnerung an NS-Gedenkfeste in Lippe bis heute präsent ist. Ergänzt wird der Themenschwerpunkt durch einen Beitrag, der die Sennelandschaft als Natur- und Kulturerbe besonderer Art würdigt, durch einen Überblick über die im vergangenen Jahr erschienenen Zeitschriftenaufsätze zur geschichtlichen Landeskunde sowie durch einen umfangreichen Besprechungsteil, in dem die wichtigsten Neuerscheinungen zur westfälischen Geschichte vorgestellt und kommentiert werden.

Band 52 (2002): Regionale Identitäten in Westfalen seit dem 18. Jahrhundert
Thomas Küster (Hg.)

874 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09231-X

Band 52 der Westfälischen Forschungen behandelt das zur Zeit intensiv diskutierte Thema "Regionale Identität" erstmals in vergleichender Perspektive am Beispiel Westfalens. Dabei werden nicht nur die in den letzten Jahren entwickelten Theorien zur Konstruktion und Genese regionaler Identitäten auf den Prüfstand gestellt, sondern auch die Entstehungsbedingungen, Mechanismen und Verläufe regionaler Identifikationsprozesse seit dem späten 18. Jahrhundert nachgezeichnet. Besonderes Augenmerk gilt den Überlagerungen und Divergenzen zwischen regionalen Teilidentitäten sowie "gesamtwestfälischen" und nationalen Identitäten. Die einzelnen Beiträge des Themenschwerpunktes beschreiben damit ein kulturelles und mentales Phänomen des 19. und 20. Jahrhunderts, das sich in ganz verschiedenen Kontexten entwickelt hat. Die politische Symbolik und die Popularisierung von Geschichtsbildern oder Heimatvorstellungen, die Regionalpolitik und die Medienwirklichkeit nach 1945, aber auch die individuell erfahrenen Lebenswelten der Menschen in der Region nahmen jeweils in spezifischer Weise Einfluss auf die Ausprägung einer "mentalen Geographie". Weitere Beiträge dieses Bandes behandeln die Schulreformpläne in der Grafschaft Mark um 1800 und die Vertretung der Provinz Westfalen im Preußischen Staatsrat in den 1920er Jahren. Tagungs- und Projektberichte informieren über neue Ergebnisse der Forschung, so etwa über die Erschließung des Gesamtarchivs von Romberg, über aktuelle Studien zur Geschichte des Konsums und über eine Konferenz auf Schloss Cappenberg, die sich mit dem Wirken und der Rezeption des Freiherrn vom Stein auseinandergesetzt hat. Diethard Aschoff ediert einen bisher unbekannten Auschwitzbericht aus dem Institut für Zeitgeschichte. Karl Ditt schließlich kommentiert die von Hans Derks vertretene These, es habe eine bis heute fortwährende Kontinuität der deutschen "Westforschung" seit der Weimarer Republik gegeben.

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Band 53 (2003): Politisch-soziale Praxis und symbolische Kultur der landständischen Verfassungen im westfälischen Raum
Barbara Stollberg-Rilinger (Hg.)

778 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09232-8

Die „kulturalistische Wende“ in der Geschichtswissenschaft erreicht allmählich die Politik- und Verfassungsgeschichte und beginnt auch deren Gegenstände als symbolisch konstituierte soziale Handlungssysteme zu beschreiben. Der von Barbara Stollberg-Rilinger betreute Themenschwerpunkt behandelt deshalb nicht nur die klassischen politischen Kompetenzen der Stände. Erstmals wird auch systematisch danach gefragt, was eine ständische „Verfassung“ als konkrete politisch-soziale Praxis überhaupt ausmachte, auf welchen gesellschaftlichen Grundlagen die politische Standschaft beruhte und welche Rückwirkungen sie umgekehrt auf die soziale Existenz ihrer Mitglieder hatte. Aus dieser Perspektive erschließt sich die Rationalität von Phänomenen, die auf den ersten Blick dysfunktional erscheinen. Dass etwa manche landständische Gremien auch dann noch regelmäßig zusammentraten, wenn sie effektiv keinen politischen Gestaltungsspielraum mehr besaßen, wird erklärbar, wenn man diese Versammlungen als Orte symbolischer Inszenierung und damit als Perpetuierung von Werten und Normen, Rechtsansprüchen und sozialen Positionen versteht. Weitere Beiträge behandeln u.a. Schiedsgerichtsverfahren in der frühen Neuzeit, die Sozialgeschichte der (Schloss) Holter Eisenhütte im 19. und 20. Jahrhundert und die wirtschaftlenkenden Maßnahmen der Kreiswirtschaftsberater der NSDAP im südlichen Westfalen. Vorgestellt werden außerdem neue Projekte und Quellen zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Westfalen und das am Westfälischen Institut für Regionalgeschichte angesiedelte, z.Zt. im Aufbau befindliche Internet-Portal „Westfälische Geschichte“. Schließlich nimmt Hans Derks erneut Stellung zur Kritik an seinem viel diskutierten Buch über die „Deutsche Westforschung“.

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Band 54 (2004): Von rechten und unrechten Taten. Zur Kriminalitätsgeschichte Westfalens von der Frühen Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert
Barbara Krug-Richter / Herbert Reinke (Hg.)

745 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09233-6

Die Historische Kriminalitätsforschung zählt seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts zu den boomenden Themenbereichen der sozial- und kulturhistorischen Forschung in Deutschland. Historische Kriminalitätsforschung untersucht abweichendes Verhalten im Spannungsfeld von Normen, Instanzen und Medien sozialer Kontrolle. Im Unterschied zu älteren rechtsgeschichtlichen Forschungen rücken in der modernen historischen Kriminalitätsforschung auch die gesellschaftlichen Konstruktionsprozesse von Devianz und Kriminalität in ihren historischen und kulturellen Bezügen ins Blickfeld. Kriminalitätsgeschichte fungiert somit zugleich als Sonde, die es erlaubt, gesellschaftliche und politische Verhältnisse zu analysieren. Der von Barbara Krug-Richter und Herbert Reinke betreute Band setzt sich zum Ziel, die Geschichte der Kriminalität in Westfalen von der Frühen Neuzeit bis in die 1970er Jahre - auch - als Geschichte der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse zu deuten. Neben Beiträgen zur Delinquenz einzelner gesellschaftlicher Gruppen (u.a. Studenten, Adel, Bauern und ländliche Unterschichten, Rocker) stehen solche, die bestimmte Delikte in den Blick nehmen (Gewalt, Diebstahl, Sexualdelikte, Schmuggel etc.). Der Band enthält Beiträge des Kolloquiums, das Anfang des Jahres aus Anlass des 75-jährigen Bestehens des Westfälischen Instituts für Regionalgeschichte (WIR) veranstaltet wurde; er präsentiert außerdem neue Untersuchungsergebnisse zur Leistungsfähigkeit der westfälischen Landwirtschaft am Vorabend der Agrarreformen 1822/35 und zur Darstellung der Polen in der Literatur über das Ruhrgebiet vor 1945. Berichte über eine Tagung zur historischen Einordnung der napoleonischen Modellstaaten Westphalen und Berg und zum Forschungsprojekt „Kommunale Gebietsreform in den 1960er und 1970er Jahren“ des WIR sowie Einblicke in das neu formierte Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, in das Unternehmensarchiv der Bertelsmann AG sowie die Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Münster runden den Band ab.

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Band 55 (2005): Ehrenamt und Mäzenatentum. Grundlagen der Zivilgesellschaft im historischen Wandel
Stefan Gorißen (Hg.)

866 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09235-2

Angesichts der fundamentalen Finanzkrise des Wohlfahrtsstaats westlicher Prägung fanden in den letzten Jahren Konzepte einer „civil society“ nicht nur bei Soziologen, Politologen und Historikern zunehmend Aufmerksamkeit, sondern auch bei führenden Politikern der Bundesrepublik. Im Zentrum solcher Konzepte stehen freiwillig, ohne Entgelterwartung erbrachte bürgerschaftliche Leistungen, die den Staat von Teilen seiner Fürsorgepflicht entlasten. Was heute oft auch als „Freiwilligenarbeit“, „Selbsthilfe“ oder „Bürgerarbeit“ bezeichnet wird, hat seine historischen Wurzeln als „Ehrenamt“ in der sich herausbildenden bürgerlichen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Der von Stefan Gorißen betreute Band versucht, verschiedene Felder eines solchen ehrenamtlichen Engagements in ihrer konkreten historischen Praxis auszuleuchten: den wichtigen Bereich der Förderung von Kunst und Wissenschaft durch Mäzene, aber auch die umfangreiche freiwillige Arbeit im breiten kulturellen Bereich des Vereinswesens; das bürgerschaftliche Engagement im Bereich der politischen Selbstverwaltung, das ebenso wie die Freiwilligenarbeit auf sozial-karitativem Feld auf lange historische Traditionen zurückblicken kann; schließlich die bis heute unverzichtbaren ehrenamtlichen Betätigungen im Bereich der Justiz in Gestalt ehrenamtlicher Richter und Schöffen. Ein weiterer, von Ralf Blank verantworteter Themenschwerpunkt der Westfälischen Forschungen behandelt das Kriegsende 1945 in Westfalen. Wilfried Reininghaus und Werner Freitag würdigen das Lebenswerk des Landeshistorikers Albert K. Hömberg und ordnen es in den forschungsgeschichtlichen Kontext ein. Bernhard Sicken untersucht das - vergebliche - Bemühen der ostwestfälischen Stadt Herford, in der politisch unruhigen Situation des Vormärz und gegen die Interessen der Nachbarstadt Bielefeld eine Vergrößerung der eigenen Garnison zu erreichen.

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Bände 56 bis 60

Band 56 (2006): Konfessionelle Kulturen in Westfalen
Barbara Stambolis (Hg.)

737 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 3-402-09236-0

Konfessionsgeschichtliche und konfessionsräumliche Fragen beschäftigen die Religions-, die Sozial- und die Mentalitätengeschichte ebenso wie die Geographie und die empirischen Kulturwissenschaften. Interdisziplinarität und räumliche Differenzierung stehen deshalb auch im Vordergrund des Themenschwerpunkts, der in diesem Jahr von Barbara Stambolis betreut wird. Westfalen eignet sich für die Untersuchung konfessioneller Kulturen besonders gut, weil hier mehrheitlich protestantische Teilregionen und überwiegend katholische ebenso anzutreffen sind wie gemischt-konfessionelle. Darüber hinaus finden sich in diesen Regionen zahlreiche Spielarten des Protestantismus. Zudem prägten und prägen konfessionsräumliche Gliederungen die „mental geographies“ in Westfalen: Die Grenzlinien zwischen konfessionsverschiedenen Herrschaftsgebieten sind bis ins 20. Jahrhundert hinein zu verfolgen. Auch aus diesem Grund gilt die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaft wieder verstärkt der Tatsache, dass die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts in hohem Maße christlich geprägt und von konfessionellen Gegensätzen durchzogen war. Es ist davon auszugehen, dass es vielfältige regionale und lokale Varianten im Mit- und Gegeneinander der Konfessionen gab. Die Identifizierung und der Vergleich dieser unterschiedlichen Ausprägungen sollen einen differenzierteren Blick auf die frühneuzeitlichen Konfessionalisierungsprozesse und den „Dämon des Konfessionalismus“ in der Neuzeit ermöglichen. Weitere Beiträge befassen sich mit den Anfängen des Königreichs Westphalen im Raum Minden, mit den Aktivitäten der nationalliberalen Parteien im Ruhrgebiet vor dem Ersten Weltkrieg und mit dem Stellenwert der SED-Überlieferung im Staatsarchiv Leipzig für die Geschichte der westfälischen SPD nach 1945. Riccardo Bavaj diskutiert methodische Neuorientierungen, die unter dem Begriff „spatial turn“ zusammengefasst werden und Impulse für die moderne Regionalgeschichte liefern können. Publikations- und Forschungsberichte, die Jahresberichte der wissenschaftlichen Kommissionen für das Jahr 2005, eine umfangreiche Zeitschriftenschau und ein Rezensionsteil mit über 60 Einzelbesprechungen runden den Band ab.

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Band 57 (2007): Natur- und Umweltgeschichte in Westfalen
Jürgen Büschenfeld (Hg.)

813 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15390-1

Die Umweltgeschichte gilt noch immer als „junge“ Teildisziplin der Geschichtswissenschaft. Dabei liegen die ersten Arbeiten, angeregt von den neuen Umweltbewegungen und den Erweiterungen der politischen Agenda, inzwischen weit über dreißig Jahre zurück. Die Gründe dafür, warum sich das Forschungsfeld offenbar bis heute eine jugendliche Aura bewahrt hat, haben nicht zuletzt mit einer langen Identitätssuche zu tun. So ist die wissenschaftliche Diskussion seit Beginn der 1990er Jahre weitgehend von Definitionsfragen und Überlegungen zum theoretischen Rahmen der Umweltgeschichte beherrscht worden. Schließlich bewegen sich die Forschungen von Beginn an zwischen den „zwei Kulturen“ der Geistes- und Naturwissenschaften mit ihren ganz unterschiedlichen methodischen Möglichkeiten und Konzepten. Heute präsentiert sich die Umweltgeschichte als ein Forschungsfeld, das seinen Aktionsradius in den letzten zwanzig Jahren enorm erweitert hat. Längst geht es nicht mehr nur um industriell verursachte Umweltbelastungen, sondern z.B. auch um die Umweltgeschichte der Landwirtschaft oder um Fragen der Wahrnehmung von Heimatschutz, Naturschutz und jüngeren sozialen Bewegungen. Der von Jürgen Büschenfeld betreute Themenschwerpunkt zur Natur- und Umweltgeschichte im 57. Jahrgang der „Westfälischen Forschungen“ unterstreicht die Lebendigkeit des Forschungsgegenstandes und bietet - angesichts seiner Vielfalt an industriell und agrarisch geprägten Regionen - facettenreiche Blicke auf die Umweltgeschichte Westfalens. Der Band behandelt darüber hinaus die kommunikativen Funktionen politischer Inszenierung in den Fürstbistümern Münster und Osnabrück, die Beeinflussungsversuche des Freiherrn vom Stein bei der Ausgestaltung der Revidierten Städteordnung, Beispiele für die Veränderlichkeit der Erinnerungskultur in Siegen und den sozialintegrativen Charakter bürgerlicher Revolutionskultur 1848/49 in Werne. Untersuchungen zum Sprachwechsel vom Nieder- zum Hochdeutschen sowie Berichte über eine Tagung zu „Räumen“ und „Identitäten“ in Westfalen und ein neues Projekt des LWL-Instituts für Regionalgeschichte, das die Entgrenzung zwischen Stadt und Land im 20. Jahrhundert unter erfahrungs- und kommunikationsgeschichtlichen Fragestellungen verfolgen will, beschließen den Jahresband 2007.

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Band 58 (2008): Fotografie - Region - Geschichte
Markus Köster / Volker Jakob (Hg.)

803 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15391-8

Die Fotografie blickt auch in Westfalen auf eine über 150-jährige Geschichte zurück. Erstaunlicherweise ist ihre Erforschung im Rahmen regionalgeschichtlicher Studien aber bisher nur in Ansätzen zu erkennen. Ganz überwiegend werden Fotografien rein illustrativ eingesetzt; quellenanalytische Auseinandersetzungen mit diesem Medium finden kaum statt. Dabei lassen sich gerade aus lokal- und regionalhistorischer Perspektive eine Vielzahl interessanter Fragestellungen im Hinblick auf das Medium Fotografie erkennen. Der vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und vom LWL-Medienzentrum für Westfalen betreute Themenschwerpunkt 2008 lotet deshalb die Möglichkeiten der Verknüpfung regional- und fotohistorischer Ansätze aus und diskutiert die Frage, welche Aussagekraft Fotografien als ereignis-, sozial-, kultur- und mentalitätshistorischen Quellen beanspruchen können. Ein besonderer Akzent liegt dabei auf dem Aspekt der kommunikativ-ideologischen Funktion von Fotografien in der Amateurfotografie ebenso wie auf Feldern professioneller Fotonutzung. So beschäftigt sich der Band unter anderem mit der Selbst- und Fremddarstellung sozialer Gruppen, mit der Bedeutung von Fotografien für die Tradierung lokaler und regionaler Identitäten sowie mit dem alltagsgeschichtlichen Quellenwert des „privaten Blicks“ von Amateurfotografien.

Der Band enthält außerdem Beiträge zur regionalen Kulturpolitik in Westfalen, zur Geschichte einer privaten Therapieinitiative für Kinder mit Behinderungen, zur Kommunal- und Funktionalreform nach 1945 sowie eine landeskundliche Zeitschriftenschau. Ein umfangreicher Rezensionsteil rundet den Band ab.

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Band 59 (2009): Migration und Gesellschaft seit dem 18. Jahrhundert am Beispiel Westfalens
Michael Schubert (Hg.)

645 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15392-5

Historische Migrationsforschung ist ein mittlerweile etablierter, stark interdisziplinär ausgerichteter Teilbereich der Geschichtswissenschaft. Sie fragt mit dem Blick auf die Ausgangs- und Zielräume von Migration nach den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bestimmungsfaktoren von Wanderungen, mithin letztlich nach den sowohl in den Entsende- wie auch in den Aufnahmegesellschaften ankernden individuellen (stets multiplen) Wanderungsmotivationen. Zunehmend im Vordergrund migrationshistorischer Studien stehen aber auch die in den Zielräumen integrationsbestimmenden Kräfte, mithin die Frage nach dem (generationenübergreifenden) Verlauf der Integration bestimmter Zuwanderergruppen. Durch Wanderungen verursachter gesellschaftlicher Wandel in den Ausgangs- wie auch in den Zielräumen wird in der Migrationsgeschichte sichtbar gemacht. Der von Michael Schubert betreute Band fragt sowohl nach den in der Region Westfalen ausgeprägten migrations- und integrationsbestimmenden gesellschaftlichen Strukturen als auch nach dem durch Wanderungen verursachten gesellschaftlichen Wandel der Region seit dem 18. Jahrhundert. Viele der dabei in den Blick genommenen Wanderungen, wie zum Beispiel die überseeischen und (trans)kontinentalen Auswanderungen des 18. und 19. Jahrhunderts, aber auch die Flucht- und Zwangswanderungen des 20. Jahrhunderts, hatten nicht nur Westfalen als ihren Ausgangs- bzw. Zielraum, lassen die Region aber zu einem Kristallisationsort des Großen im Kleinen werden. Andere Wanderungen, wie zum Beispiel die Arbeitswanderung der lippischen Ziegler im 18. und 19. Jahrhundert oder die der polnischen industriellen Arbeitswanderer in das Ruhrgebiet („Ruhrpolen“) seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, können dagegen in diesem Sinne als spezifisch „westfälisch“ bezeichnet werden.

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Band 60 (2010): Regionale Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert
Wilfried Rudloff (Hg.)

824 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15393-2

Die räumlichen Bezüge, in denen Bildung und Wissenschaft stehen, sind auf unterschiedlichen Ebenen verortet. Aus der Vogelschau der internationalen Vergleichsperspektive betrachtet konstituieren sich Bildungssysteme als nationale Systeme. Auch Wissenschaftler denken und agieren vornehmlich in nationalen, wenn nicht in internationalen Bezügen. Andererseits sind die Zuständigkeiten für Schulen und Hochschulen in Deutschland Kernbestandteile des Föderalismus, weshalb Bildungspolitik fast immer vor allem Länderpolitik war und ist. Unterhalb dieser beiden Ebenen können Bildungs- und Wissenschaftspolitik jedoch auch eine regionale Dimension besitzen. So verbindet sich mit der Errichtung von Bildungs- und Forschungseinrichtungen vielfach die Erwartung, regionale Entwicklungsprozesse anstoßen, regionale Disparitäten der Sozialstruktur ausgleichen, aber auch regionale Identitäten festigen und regionale Integrationsprozesse fördern zu können. Der von Wilfried Rudloff herausgegebene Band versucht in historischer Perspektive die vielfältigen Dimensionen dieser regionalen Bezüge von Bildungs- und Wissenschaftsgeschichte für das 20. Jahrhundert auszuleuchten. Weitere Beiträge behandeln das Wirken von Frauen und Männern im "vorpolitischen Raum" in Westfalen, den Einsatz von Soldaten im Bereich der öffentlichen Sicherheit während des Vormärz, die Überlieferung der Juden- und Dissidentenregister des 19. Jahrhunderts in Westfalen und Lippe sowie die Geschichte der Quäkergemeinde in Minden. Der Band enthält außerdem einen Bericht über die Arbeitsgemeinschaft landesgeschichtlicher Internet-Portale, eine landeskundliche Zeitschriftenschau und einen umfangreichen Rezensionsteil.

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Bände 61 bis 65

Band 61 (2011): Aus der Hand in den Mund - Selbstversorgung als Praxis und Vision in der modernen Gesellschaft
Michael Prinz (Hg.)

691 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abo € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15394-9

Die Erwerbsverhältnisse und Lebensgrundlagen der modernen Industriegesellschaft im 20. Jahrhundert veränderten sich bei weitem nicht so eindimensional, wie es sich Geschichtstheoretiker und Sozialwissenschaftler um 1900 vorstellten. Zwar ging die Zahl selbständiger Bauern langfristig zurück, doch parallel zur Verstädterung und zur Ausbreitung der Konsumgesellschaft bebauten immer mehr Arbeitnehmer ein Stück Land, um sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Diese Form der Subsistenzwirtschaft entwickelte sich im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts zu einem Massenphänomen. In vielen Regionen – dem Saarland, Südwestdeutschland, dem Ruhrgebiet, Ostwestfalen verdichtete sich die Verbindung von Lohnarbeit und Selbstversorgung zu markanten, langfristig stabilen Konstellationen. Dabei blieb die Selbstversorgung keine Privatsache. Vertretern der Kirchen, konservativen Sozialreformern, selbst Vertretern der Arbeiterbewegung galt sie als Voraussetzung erstrebenswerter wirtschaftlicher und sozialer Krisenfestigkeit.

Die Beiträge des Themenschwerpunktes beschreiben den Umfang des beschriebenen Phänomens, seine Wurzeln und langfristige Entwicklung. Sie gehen diesem Prozess in verschiedenen Regionen nach, vor allem dort, wo diese Kombination zu einem „Markenzeichen“ regionaler Wirtschafts- und Sozialstruktur wurde. Der Band beschäftigt sich darüber hinaus mit der Politisierung des Phänomens, mit dem Versuch, eine Alternative zum Aufstieg der modernen Massenkonsumgesellschaft zu entwickeln, den Widersprüchen, aber auch den eigentümlichen Verbindungen, die sich zwischen den Visionen der Knappheit und des Überflusses ergaben.

Weitere Beiträge des Jahresbandes behandeln – ebenfalls an regionalen Beispielen das Verhältnis von Wissenschaft und staatlichem Einfluss, untersuchen anhand neuer Quellen den Blick der Verwaltung auf ihre Klientel und berichten über verschiedene vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte veranstaltete Tagungen. Die Westfälischen Forschungen beinhalten darüber hinaus – wie in jedem Jahr eine landeskundliche Zeitschriftenschau und einen umfangreichen Rezensionsteil.

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Band 62 (2012): Tier und Mensch in der Region
Rainer Pöppinghege (Hg.)

590 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15395-6

Das Nachdenken über Tiere und über sein Verhältnis zu ihnen bietet dem Menschen Anlass zur Selbstreflexion, sei es durch die strikte Abgrenzung, sei es durch die Betonung von Gemeinsamkeiten. Nicht zuletzt zeigen dabei die Untersuchungen von Primatologen und die Genforschung, dass die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier weiter reichen als bislang vermutet.

Obwohl Tiere vom Menschen seit Jahrtausenden genutzt werden, hat sich die Geschichtswissenschaft anders als andere Disziplinen wenig um das Mensch-Tier-Verhältnis gekümmert. Doch inzwischen gibt es vielversprechende Bemühungen, den Einfluss der Tiernutzung und -haltung auf die menschliche Kultur genauer zu untersuchen und so etwas wie eine historische Tierforschung im deutschsprachigen Raum zu konstituieren. Hierbei bieten sich sowohl kultur- als auch sozialgeschichtliche Ansätze an. Aus regionalgeschichtlicher Perspektive gilt es zudem den Besonderheiten der Tiernutzung in der Region nachzuspüren. Der Jahresband 2012 befasst sich deshalb schwerpunktmäßig mit dem Einsatz von Pferden als Last- und Zugtieren in der Landwirtschaft Westfalens, aber auch mit Grubenpferden im Bergbau. Außerdem werden Tierschutzinitiativen und die dahinter stehenden Motive genauer in den Blick genommen.

Weitere Beiträge behandeln die schwierige Stellung katholischer Hochschulen in Preußen während des 19. Jahrhunderts, die Frage der mentalen Friedensbereitschaft nach dem Ersten Weltkrieg am Beispiel der Ruhrkrise, die regionale NS-Kultur- und Rundfunkpolitik sowie wissenschafts- und unternehmenshistorische Themen. Wie immer beschließen eine Zeitschriftenschau und ein umfangreicher Besprechungsteil den Jahresband der „Westfälischen Forschungen“.

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Band 63 (2013): Sportgeschichte als Gesellschafts- und Kulturgeschichte am Beispiel Westfalens
Olaf Stieglitz (Hg.)

541 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15396-3 

Die Sportgeschichtsschreibung hat sich in den letzten etwa zwanzig Jahren sehr verändert. Längst wird sie nicht mehr vorwiegend von „Fans mit Schreibmaschinen“ (Tony Mason) verfasst. Sporthistorische Arbeiten haben ihre primäre Ausrichtung auf einzelne Vereine, bedeutende Athleten, Mannschaften und ihre Rekorde aufgegeben und zentrale Verschiebungen der Historiografie nachvollzogen oder auch mitgeprägt. Sportgeschichte nutzt Sport und Bewegungskultur inzwischen als Linse für die Analyse weiträumiger gesellschaftlicher Zusammenhänge und steht heute für eine Geschichte der Gesellschaft, die die hohe Bedeutung und Popularität dieses Feldes heranzieht, um Spuren von Ungleichheit, Macht, sozialer Stratifizierung, politischer Regulierung und medialer Repräsentation zu finden. Diese sozialhistorische Akzentuierung wird seit einigen Jahren kulturhistorisch erweitert ? nicht konfrontativ, sondern ergänzend: Kategorien des „Nationalen“, des „Regionalen“ wie des „Lokalen“ sind dabei oft durch Perspektiven auf Verschränkung, Transfer, Austausch und Kontakt ersetzt worden.

Vor diesem Hintergrund möchte der Band fragen, welche Funktionen einer ausdrücklich regional fokussierten Sportgeschichtsschreibung in der Gegenwart zukommen. Wie fügt sich eine Regionalgeschichte des Sports am Beispiel Westfalens in eine sich methodisch-theoretisch rasch verändernde und internationalisierende historische Sportforschung ein? In welchen Wechselverhältnissen stehen regionale oder lokale Aspekte des Sporttreibens mit solchen auf nationaler oder gar internationaler Ebene? In welcherlei Hinsicht ist die Sportgeschichte Westfalens mit derjenigen anderer Regionen verknüpft, lassen sich Trends aus anderen Regionen in Westfalen wiederentdecken und wann kommt es zu besonderen „westfälischen“ Entwicklungen?

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Band 64 (2014): Medizin und Gesundheit in Westfalen. Neue Forschungen zum 19. und 20. Jahrhundert
Thomas Küster (Hg.)

554 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15397-0

Mehr noch als für Fragen der Politik, des Sozialen oder des lokalen Umfeldes interessieren sich die meisten Menschen für alles, was mit ihrer Gesundheit zusammenhängt. Nicht zuletzt deshalb ist die Sicherung der körperlichen und geistigen Gesundheit ein zentrales Thema der Gesetzgebung, der Werbung, der individuellen Lebensplanung und sogar der Freizeitgestaltung geworden. Gesundheitslehren und medizinische Wissenschaften haben die gesamte Menschheitsgeschichte begleitet und erfreuten sich stets größter Wertschätzung. Angesichts der individuellen therapeutischen Orientierung medizinischer Aufgabenstellungen gerät der Gesamtprozess der gesundheitlichen Entwicklung jedoch leicht aus dem Blickfeld. Insbesondere die Teildisziplin der Medizingeschichte versucht, dem entgegenzuwirken – wenn auch oftmals ohne regionalgeschichtliche Perspektive. Dabei weisen viele „Gesundheitsthemen“ eine deutlich räumliche Anbindung auf: etwa die Frage nach den regionalen Besonderheiten einzelner Krankheitsmuster oder medizinischer Infrastruktur, nach dem Einfluss regionaler Kräfte auf das nationale Gesundheitswesen oder nach dem Selbstverständnis, das sich dahinter verbirgt, wenn eine Region wie Ostwestfalen-Lippe als „Heilgarten Deutschlands“ charakterisiert wird. Der Themenschwerpunkt 2014 stellt sich die Aufgabe, die historischen Konjunkturen von Gesundheitsmotivation, Krankheitsprävention und medizinischer Versorgung zwischen Früher Neuzeit und Gegenwart am Beispiel Westfalens zu durchleuchten und dabei nicht nur die – gut dokumentierten ? Träger des Gesundheitssystems (vom Landarzt über die Kassen bis zur Uniklinik), sondern auch die Rolle der gefährdeten Menschen und Patienten in ihrem vielfältigen Bemühen um den Erhalt ihrer „primären Lebensqualität“ in den Blick zu nehmen.

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Band 65 (2015): Inklusion/Exklusion in regionalgeschichtlicher Perspektive
Elsbeth Bösl (Hg.)

688 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) - Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15398-7

Das aus der Gegenwartssprache stammende Begriffspaar „Inklusion/Exklusion“ dient seit den 1990er Jahren zur kritischen Selbstbeschreibung westlicher Gesellschaften. Inklusion ist heute Teil zahlreicher sozial-, bildungs-, und kulturpolitischer Programme und Projekte in der Bundesrepublik. Sie scheint dann verwirklicht, wenn alle Menschen unabhängig von den Kriterien und Eigenschaften, die sie unterscheiden, möglichst umfassend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Der Begriff Exklusion hingegen wird häufig eher vage verwendet, um zu kennzeichnen, welche sozialen Phänomene und Konstellationen vermieden oder aufgehoben werden sollen.

Der Themenschwerpunkt des Bandes 65 behandelt Praktiken der Inklusion und Exklusion in historischer und regionaler Perspektive: Gefragt wird, wie soziale Differenzierung Inklusions- und Exklusionsphänomene bestimmt. Im Mittelpunkt stehen dabei Kategorien wie Ethnizität, Nationalität, Klasse, Schicht, (Nicht-)Behinderung, chronische Krankheit, sexuelle Orientierung bzw. die jeweilige Konzeption dessen, was insbesondere von staatlicher und kirchlicher Seite als „normal“ angesehen wird und was nicht. Fallstudien ? u.a. zum Umgang mit Armut auf dem Lande, zur Heimerziehung und zu den Auswirkungen der Psychiatriereform in Westfalen ?  veranschaulichen Inklusions- und Exklusionsprozesse in der Geschichte und vermitteln neue Einsichten zum gesellschaftlichen Umgang mit menschlicher Differenz.

Ein zweiter Schwerpunkt widmet sich den Nutzungsmöglichkeiten und den methodischen Problemen, die bei der Auswertung überlieferter (älterer) Interviews und Ego-Dokumente zum Zweiten Weltkrieg und zur Nachkriegszeit entstehen. Weitere Einzelbeiträge behandeln die Arbeitsmigration im Amt Rietberg im 19. Jahrhundert, die Kinderlandverschickung in Hagen im und nach dem Ersten Weltkrieg, den Umgang mit lokalen Erinnerungsorten in Münster nach 1945, das von den Amerikanern im Film dokumentierte Vorrücken der US-Armee in Westfalen sowie die wirtschaftlichen und redaktionellen Herausforderungen, mit denen sich auch die westfälischen Tageszeitungen seit 1990 konfontiert sehen. Ein Nachruf auf den Landeshistoriker und langjährigen Institutskollegen Karl-Heinz Kirchhoff, Tagungs- und Jahresberichte, Zeitschriftenschau und ein umfangreicher Rezensionsteil beschließen die „Westfälischen Forschungen 2015“.

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Zur Pressemitteilung

Bände 66 bis 70

Band 66 (2016): Reformation in Westfalen und Lippe
Thomas Küster (Hg.)

634 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15399-4

Ziel des Themenschwerpunktes 2016 ist es, neue Einsichten in regionale und lokale Charakteristika der Reformation in Westfalen und Lippe zu vermitteln. Welchen „Stellenwert“ besaß Westfalen innerhalb des Reformationsprozesses? Weist Westfalen als trikonfessionelle Region Besonderheiten auf, die z.B. in Südwest- oder Norddeutschland nicht anzutreffen sind? Wie ist die Zuordnung von „Fürstenreformation“, „Stadt-, Bürger- bzw. Gemeindereformation“ und dem Bedürfnis nach Erneuerung in der Bevölkerung zu gewichten?

In der Reformationshistoriographie wurde häufig der Eindruck vermittelt, Westfalen sei überwiegend ein „Nebenland“ der Reformation gewesen. Dabei gab es auch in Westfalen zahlreiche selbständige Versuche, die alte kirchlich-politische Ordnung aufzubrechen und einer partikular organisierten, mehrkonfessionellen Gesellschaft Entwicklungschancen zu eröffnen. Westfalen mit seinen vier Diözesen, einigen kleineren geistlichen Herrschaften und Klöstern, Teilgebieten Jülich-Kleve-Bergs, kleinen Reichsgrafschaften und teilweise autonom agierenden Städten bot von seinen Voraussetzungen her den Nährboden für ein breites reformatorisches Konfliktfeld. Eine der heftigsten politischen Konfrontationen im Kontext der Reformation fand z.B. in Münster statt, das zum Sammlungsort einer Täuferbewegung wurde, die das bestehende kirchliche System radikal ablehnte. Überhaupt bot die Stadtreformation in Westfalen zahlreiche Varianten der Tolerierung und Eigenständigkeit, zum Teil auch mehrfache Wechsel der Konfession. Allein das rechtfertigt eine Betrachtung der Reformation(en) in Westfalen aus regionaler Perspektive, auch wenn deren Durchsetzung letztlich immer eine Frage der territorialen politischen Verhältnisse blieb. Am Beispiel der Grafschaft Mark, der Städte Dortmund, Bielefeld und Münster sowie der besonderen Situation in Lippe wird gezeigt, dass sich der Protestantismus in Westfalen erst in einem langen Übergangszeitraum und in spezifischen Mischformen aus den katholischen Gemeinden heraus bilden konnte und vor dem 17. Jahrhundert nicht in der Lage war, sich übergemeindlich zu organisieren.

Weitere Beiträge behandeln die biographischen Hintergründe (katholischer) Historiographie im 19. und 20. Jahrhundert, die Sozial- und Gesundheitspolitik der Landschaftsverbände nach 1945 im überregionalen Vergleich (u.a. am Beispiel der Drogenhilfe), die Nutzung von Markwald als Bestandteil der vorindustriellen Landwirtschaft, die Armenhausstiftungen des münsterländischen Adels in der Neuzeit sowie die Handlungsspielräume von Lehrerinnen und Lehrern an einem Gymnasium in Münster zwischen 1933 und 1945. Tagungs- und Jahresberichte, eine Zeitschriftenschau und ein umfangreicher Rezensionsteil beschließen die „Westfälischen Forschungen 2016“.

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Band 67 (2017): Das Finanz- und Bankenwesen in Westfalen vom 18 bis 20. Jahrhundert
Harald Wixforth (Hg.)

732 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15400-7

Während des 19. und 20. Jahrhunderts gaben zwei Führungssektoren der Industrialisierung, die Textilindustrie und die Schwerindustrie, in Westfalen den Anstoß für den Wandel von einer durch den Agrarsektor geprägten Wirtschaft hin zu einer arbeitsteiligen, von der Industrie bestimmten Gesellschaft. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu einer partiellen Deindustrialisierung und zum Siegeszug des tertiären Sektors. Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die Kreditwirtschaft aus. Lokal operierende und auf die Bedürfnisse einer Agrargesellschaft zugeschnittene Finanzinstitutionen verloren an Bedeutung; im Gegenzug profitierten große und leistungsstarke Universalbanken. Diese konzentrierten sich zunächst auf die Industriefinanzierung, boten schrittweise aber immer mehr Finanzdienstleistungen für eine rasch wachsende Kundschaft aus allen Teilen der Wirtschaft. Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und Urbanisierung bereiteten aber auch die Basis für eine weitere Ausdifferenzierung des gesamten Finanzwesens.

Die Beiträge des Themenschwerpunktes verfolgen das Ziel, die Veränderungsprozesse in der Kreditwirtschaft Westfalens vom 18. bis zum 20. Jahrhundert genauer zu beleuchten. Dabei werden tradierte Formen des Geldverkehrs und die zunächst dominierenden Finanzinstitutionen, etwa Privatbankiers und Rentenbanken, ebenso behandelt wie die fundamentalen Veränderungen im Verhältnis von Banken und Industrie im Zuge der Industrialisierung. Im Fokus stehen aber auch Kreditgenossenschaften und Sparkassen als Finanzdienstleister für den gewerblichen Mittelstand und das Handwerk, die in der Zwischenkriegszeit, der Phase des Wiederaufbaus und der Zeit des "Wirtschaftswunders" die notwendigen Finanzierungen für weite Teile der Wirtschaft bereitstellten. Mit dem nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erwachten Sparwillen in der Bevölkerung veränderte sich auch das Geschäftsprofil der Kreditinstitute. Das sogenannte Massengeschäft, die Betreuung möglichst breiter Bevölkerungskreise, gewann erneut an Bedeutung. Dieser von der Forschung bislang kaum beachtete Aspekt wird hier ebenfalls eingehend thematisiert.

Weitere Beiträge behandeln die Beteiligung von Provinz und Staat an der „Jugendfürsorge auf See“ und der westdeutschen Kanalschifffahrt, die Kartierung historischer Industriestandorte am Beispiel Mendens, den Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg, den NS-Kult um jugendliche Märtyrer im Ruhrgebiet, die Europabewegung im Münsterland nach 1945 sowie die mediale Wahrnehmung der „Gastarbeiterinnen“ während der wilden Streiks in der rheinischen und westfälischen Metallindustrie um 1970. Karl Ditt widmet dem 2016 verstorbenen Institutskollegen Michael Prinz einen ausführlichen Nachruf. Tagungs- und Jahresberichte, Zeitschriftenschau und Rezensionsteil beschließen die aktuelle Ausgabe der „Westfälischen Forschungen“.

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Band 68 (2018): ‚Heimatfronten' und Kriegsgesellschaften im 20. Jahrhundert
Julia Paulus und Marcus Weidner (Hg.)

610 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15401-4

Vor dem Hintergrund der erinnerungskulturellen Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs im Jahr 2014 wurde deutlich, dass die vergleichende diachrone Erforschung der ‚Heimatfronten‘ als zivilen „Resonanzräumen“ des Krieges nach wie vor ein Desiderat darstellt. Während die Betrachtung von Kriegen aus der Perspektive der ‚Front‘ wie auch die Beschäftigung mit vornehmlich militärgeschichtlichen Themen lange Zeit im Vordergrund standen, gibt es in der Forschung seit den großen Darstellungen von Münkler, Leonhard, Ziemann u.a. vermehrt Bestrebungen, Kriegsereignisse als Teil einer übergreifenden Geschichte der Gewalt im 20. Jahrhundert zu lesen. In diesem Kontext versteht sich der Themenschwerpunkt der „Westfälischen Forschungen 2018“ zum Thema „‚Heimatfronten‘ und Kriegsgesellschaften“ als Beitrag zu einer Gewaltgeschichte in den Umbruchzeiten der (Post-)Moderne. Zum einen wird dabei mit dem Begriff der ‚Heimatfront‘ der Gegenstand territorial eingegrenzt. Zum anderen verweist dieser Begriff als propagandistische Neu­schöpfung des Ersten Weltkriegs auf eine spezifische Deutung des Krieges, die sich die politische und militärische Führung zu eigen machten. Militärische Konflikte waren aus dieser Sicht nicht mehr auf ein eng um­grenztes Kampfgebiet – die Front – beschränkt, sondern erfassten in ihren Auswirkungen wie in den begleitenden Strategien auch das Gebiet, in dem sich die Zivilbevölkerung aufhielt, und damit diese selbst.

Weitere Beiträge des Bandes behandeln das historische Lehren und Lernen in der Region, Formen der Schadensbeobachtung und -bekämpfung im 18. Jahrhundert, die Teilnahme eines westfälischen Offiziers an den Kriegen 1792-1795 (und seine Eindrücke zu den unmittelbaren Folgen der Französischen Revolution nach Valmy), die masurische Zuwanderung ins Ruhrgebiet, die Tätigkeit von Martin Niemöller als Geschäftsführer der Inneren Mission in Münster in den 1920er Jahren sowie Einblicke in das Verhältnis von technischer Innovation und traditioneller Ökonomie am Beispiel des Energieträgers Wasserkraft und unter- bzw. überirdischer Verkehrsplanungen in Dortmund und Hagen nach 1945. Projektberichte aus dem SFB „Kulturen des Entscheidens“ und zur Sparkassengeschichte Westfalens sowie Tagungs-, Zeitschriften- und Jahresberichte der wissenschaftlichen Kommissionen und ein Buchbesprechungsteil beschließen den 68. Band der WF, die nach 30 Jahren „in blau“ nun in neuem Design und Layout erscheinen.

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Band 69 (2019): Public History in der Regional- und Landesgeschichte
Katrin Minner (Hg.)

682 Seiten
Aschendorff Verlag, Münster
€ 69,60 (im Abonnement € 52,20) – Bezug über den Buchhandel
ISBN 978-3-402-15403-8

Wie sich Geschichte und Öffentlichkeit treffen: Public History in der Regional- und Landesgeschichte – ein Gastbeitrag von der Herausgeberin Dr. Katrin Minner

„Zieht den Rathausprominenzen an den autoritären Schwänzen!“ – Mit diesem Slogan überschrieben Protestierende 1968 ihr Flugblatt gegen das Vorhaben des Bielefelder Rates, die mäzenatisch entstehende Kunsthalle nach einer lokalen Unternehmerpersönlichkeit zu benennen, die für eine Zusammenarbeit mit dem NS-Staat in der Stadtgesellschaft bekannt war. Über Jahrzehnte bewegten die Auseinandersetzungen darüber, wie man öffentlich mit der lokalen NS-Vergangenheit umgehen sollte und wie eine angemessene und gesellschaftlich getragene Erinnerungskultur aussehen könnte, die Bielefelder.

Ein ähnlicher geschichtlicher Dauerbrenner findet sich für die Stadt Lemgo: Nahezu unverbrüchlich hat sich die Vorstellung des „Hexennestes“ ins regionale Gedächtnis eingebrannt, nicht zuletzt kräftig unterstützt durch die Tourismuswerbung, die gern die Aufmerksamkeit mit einem wohligen Schaudern zu einem „dunklen“ Thema der Geschichte wachhält.

Beide Beispiele zeigen, wie Geschichte jenseits des akademischen Hochschulbetriebs ganz unterschiedliche Teile der Bevölkerung umtreiben kann. Gerade Gegebenheiten aus der lokalen und regionalen Nahwelt mobilisieren Menschen, sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen, Geschichte für sich zu erkunden und eigene Geschichtsbilder an andere zu vermitteln. Diesen Feldern – wie Geschichte in einer breiten Öffentlichkeit kommuniziert wird – widmet sich die noch vergleichsweise junge geschichtswissenschaftliche Disziplin der „Public History“. Das Spannungsfeld von Geschichte und Öffentlichkeit nimmt dabei Akteure, Formen, mediale Umsetzungen und Narrationen in den Blick.

Nicht zuletzt durch die „neue Geschichtsbewegung“ seit den 1970er und 1980er Jahren hat lokale und regionale Geschichte viele Initiativen vor Ort geweckt und so eine breite Teilhabe und Mitwirkung etabliert, die mit „Geschichte von unten“ den Weg für neue Perspektiven auch für die Forschung geebnet haben.

Historisches Erinnern, dem sich kaum jemand entziehen kann und das geradezu als „Motor“ der Public History wirkt, ist in Form von historischen Jubiläen als überzeitliches und wirkmächtiges Phänomen ein kaum wegzudenkender Teil des Spannungsfelds von Geschichte und Öffentlichkeit. Hier präsentieren die Hauptträger der Feiern aber nicht nur ihre Vorstellungen und Deutungen der Vergangenheit, sondern liefern für spätere HistorikerInnen gleich Aufschluss über ihre Gegenwart und Zukunftsvisionen mit.

Mit dem Themenschwerpunkt soll zum einen aufgezeigt werden, welche Bilder regionaler Geschichte in verschiedenen Medien kursierten und wie diese zum Beispiel über Radio, Film und Stadtwerbung in die Welt traten. Diese Vorstellungen waren je nach Zeit auch wandelbar: In der münsterschen Stadtgesellschaft fand beispielweise nach 1918 und dem Verlust der deutschen Kolonien noch ein nostalgischer Kolonialrevisionismus mehrheitsfähige Verbreitung, die der Nationalsozialismus noch verstärkte. Ab den 1960er und 1970er Jahren kamen demgegenüber mit dem Entstehen alternativer Subkulturen und Protestbewegungen kritische Sichtweisen auf, die sich bis zur Gegenwart weiter verbreiteten und die alten Vorstellungen mehrheitlich ablösten: Denkmäler aus der Zeit des Kaiserreichs mit kolonialen Heldenstilisierungen wurden mit Verhüllungen oder Kommentierungen in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit in der Stadt gerückt und mit ihrer nun fragwürdig empfundenen Aufladung zur Diskussion gestellt.

Zum anderen bietet der Themenschwerpunkt Einblicke in die „Werkstatt“ von professionellen GeschichtskommunikatorInnen und bürgerschaftlichen (Laien-)ForscherInnen. Die regionale Perspektive in Geschichtsprogrammen des Westdeutschen Rundfunks wurde zu einem unentbehrlichen Faktor, der starke Bindekraft und hohes Identifikationspotential in einer Mischung von Informationen zur geschichtlichen Landeskunde, Identifikationsangeboten und Unterhaltung entfaltet.

Neue Akteure einzubinden und neue Zugänge zu berücksichtigen, ist ein Element, das die Public History in den Blick nimmt. Historisches Wissen wird nicht nur in der wissenschaftlich-akademischen Welt generiert: So entwickelten sich mit dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten Kinder und Jugendliche zu wirkmächtigen Gestalterinnen und Gestaltern von Geschichte. Hohe Erwartungen hinsichtlich von Zugang und Beteiligung verbinden sich momentan mit den Neuen Medien: Hier zeichnet sich ein Spagat ab zwischen Chancen für jedermann, sich einzubringen, und dem Sichern fachlicher Qualität und Standards sowie dem Verhindern von Manipulationen und bewussten Fake News.

Der Themenschwerpunkt der WF 69 (2019) greift verschiedene Zugänge zu Geschichtsdiskussionen und -vermittlungen im öffentlichen Bereich mit Fokus auf westfälischen Beispielen auf.

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