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Publikationen in Kooperation

Das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte arbeitet mit zahlreichen Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen zusammen. Die Forschungsergebnisse dieser Kooperationsprojekte werden in Monografien und Sammelbänden veröffentlicht. Aufgelistet sind die seit 2017 erschienenen Gemeinschaftspublikationen. Eine Übersicht aller Veröffentlichungen findet sich auf den Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

2017

Malte Thießen: Immunisierte Gesellschaft. Impfen in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 225), Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 2017

Impfungen sind ein Traum der Moderne. Sie versprechen die Ausrottung gefährlicher Seuchen, den Rückgang der Kindersterblichkeit und die Kontrolle kollektiver Gesundheitsverhältnisse. Beim Impfen geht es daher nie nur um die Gesundheit und Krankheit des Einzelnen. Impfprogramme zielen immer auch auf die Optimierung des »Volkskörpers« bzw. der »Volksgesundheit«. Das Buch spürt dieser Geschichte des Impfens erstmals vom 19. Jahrhundert bis heute nach: vom Deutschen Kaiserreich über die Weimarer Republik zur NS-Zeit bis in die Bundesrepublik und DDR. Es beleuchtet nationale und internationale Debatten über Impfpflichten und Impfprogramme, die Erforschung und Vermarktung von Impfstoffen sowie den Alltag des Impfens in Impflokalen und Arztpraxen. Die Geschichte des Impfens ist eine Geschichte von Ängsten und Hoffnungen. Im Kampf gegen Pocken, Diphtherie und Polio, gegen Tuberkulose, Masern oder Grippe verhandelten die Deutschen Menschenbilder und Gesellschaftsmodelle, Sicherheits- und Zukunftsvorstellungen. Im Fokus des Buches stehen Auseinandersetzungen zwischen Politikern und Unternehmern, Ärzten und Wissenschaftlern, Journalisten und Eltern. Vom 19. Jahrhundert bis heute streiten sie um die Chancen und Risiken der immunisierten Gesellschaft.

Winfried Süß / Malte Thießen (Hrsg.): Städte im Nationalsozialismus. Urbane Räume und soziale Ordnungen (Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus, Bd. 33), Wallstein: Göttingen 2017

Im städtischen Raum wurden soziale Beziehungen und Hierarchien der NS-Gesellschaft in Form von Milieus, Infrastrukturen und Inszenierungen sichtbar: Straßenzüge und Verkehrswege, öffentliche Gebäude und Versammlungsplätze eröffneten oder verschlossen soziale Räume. In der NS-Forschung bedienten sich erst einzelne Studien raumbezogener Untersuchungsansätze. Daher präsentiert der Band eine Bilanz neuer Forschungen. Durch welche Semantiken, Symbole und Zukunftsentwürfe wurden Städte im Nationalsozialismus als soziale Räume konzipiert? Wie prägten Stadtverwaltungen das Leben in der NS-Gesellschaft? Welche Praktiken des Einschließens und Ausgrenzens lassen sich im städtischen Raum beobachten? Der Band diskutiert solche Fragen in Beiträgen zum Wohnungsbau, zur Stadtplanung, zur Gewalt im städtischen Raum, zur kommunalen Finanz- und Sozialpolitik und zur Umcodierung städtischer Räume.

Nicolai Hannig / Malte Thießen (Hrsg.): Vorsorgen in der Moderne. Akteure, Räume und Praktiken (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Bd. 115), DeGruyter Oldenbourg: Berlin/Boston 2017

Vorsorge ist überall. Als Gesundheits-, Kriegs- oder Krisenprävention, als Versicherung, Verhütung kriminellen Verhaltens oder Vorbeugung sozialer Probleme – Vorsorgen ist längst zum Alltag geworden. Die Autoren des Bandes erkunden dieses moderne Gesellschaftsphänomen und fragen nach seinen Voraussetzungen und Folgen. Sie widmen sich den Anbietern und Empfängern, Anhängern und Gegnern, den Profiteuren und Leidtragenden. Die Studie bietet damit erstmals eine ebenso facettenreiche wie fundierte Gesellschaftsgeschichte der Vorsorge und eröffnet neue Einblicke in den Wandel moderner Gesellschaften.

Dietmar von Reeken / Malte Thießen (Hrsg.): Islamische Welten. Heft 177 von Geschichte lernen, Friedrich Verlag: Seelze 2017

Mehr als anderthalb Milliarden Menschen bekennen sich zum Islam – damit ist die Religion die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft der Welt. Seit dem 7. Jahrhundert prägen muslimische Gesellschaften und Herrschaften weite Teile Asiens, Afrikas und Europas. Die heutige Wahrnehmung ist allerdings eine andere: Zum einen dominieren mediale und politische Gleichsetzungen von Islam und Islamismus – und damit Pauschalisierungen ohne jegliche historische Tiefenschärfe. Die jahrhundertelange Beziehungsgeschichte zwischen „dem“ Islam und anderen Religionen und Kulturen, insbesondere dem Christentum bzw. "westlichen" und "modernen" Gesellschaften, wird somit reduziert auf eine Konfliktgeschichte im Sinne eines Huntingtonschen "Clash of civilizations". Zum anderen wird der Islam meist ausschließlich mit dem Vorderen Orient identifiziert. Dabei gerät aus dem Blick, dass die Länder mit den meisten Muslimen außerhalb dieses Raumes liegen, dass also hunderte Millionen Moslems in ganz anderen kulturellen, ethnischen, sozialen und politischen Kontexten leben. Ziel des Heftes ist es, die einseitige Sicht auf den Islam und seine Geschichte aufzubrechen. Es will die Vielfalt islamischer Welten, ihre unterschiedlichen Entwicklungen und Bezüge zu anderen Kulturen und Gesellschaften für den Geschichtsunterricht greifbar machen.

2018

Yvonne Robel / Malte Thießen (Hrsg.): krank machen. Themenheft von WerkstattGeschichte 78 (2018)

"Das ist doch krank!" – Solche Diagnosen sind schnell bei der Hand, wenn es um Unerwartetes, Unmoralisches oder Bedrohliches geht. Volkswirtschaften können "erkranken", ganze Gesellschaften vom Populismus, Rechtsextremismus oder Islamismus "infiziert", "angesteckt" bzw. "befallen" werden, um nur einige aktuelle Beispiele zu nennen. Gesundheit und Krankheit dienen als Zentralmetapher, an der wir unser soziales Koordinatensystem ausrichten. Pathologien sind daher nicht nur in Labors, Krankenhäusern und Arztpraxen verbreitet. Darüber hinaus dienen sie als alltägliche Zuschreibungen, wenn es um soziales Verhalten und soziale Spannungen geht. Diesen Ausgangsbefund nutzen die Autor*innen des Bandes, um dem Zusammenhang zwischen medizinischen Diagnosen und sozialen Ordnungen nachzuspüren. Drei Schwerpunkte stehen dabei im Fokus. Erstens sind Disziplinierungen ambivalenter, als das oft verwendete Schlagwort "Biomacht" suggeriert. Während Michel Foucault mit diesem Begriff auch auf Bedürfnisse der Bevölkerung sowie Formen und Praktiken der Selbstdisziplinierung hinwies, konzentriert sich die Forschung gemeinhin auf staatliche Machtausübungen "von oben". Pathologien waren aber nicht nur das gesundheitspolitische Mittel eines "biomächtigen" Staates, der seine Untertanen auf Linie bringen, sozialen Druck ausüben und "gesundes" Verhalten normieren wollte. Zugleich beförderten sie in der Bevölkerung eine Anspruchshaltung auf Gesundheit und Sicherheit, die wiederum den Handlungsdruck auf staatliche Akteure erhöhte. Damit machen die Autorinnen und Autoren zweitens deutlich, dass soziale Pathologien als Orientierungsrahmen ein Bedürfnis auf allen gesellschaftlichen Ebenen befriedigten. Zunächst einmal gaben und geben sie Orientierung über "gut" und "böse", über "uns" und die "anderen", also über Identitäts- und Gemeinschaftsentwürfe. Drittens nehmen die Autorinnen und Autoren Pathologien als Praktiken in den Blick, womit sich der Titel des Heftes erklärt: "Krank machen" ist eine Kulturtechnik, die ein ganzes Set an Orten und Objekten, Regeln, Ritualen und Räumen aufruft.

Dietmar von Reeken / Malte Thießen (Hrsg.): Nachkriegsordnungen 1918-1923. Heft 186 von Geschichte lernen, Friedrich Verlag: Seelze 2018

Gewalt und Krieg prägen auch 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs das Weltgeschehen. Vor diesem Hintergrund ist die Behandlung der Nachkriegsordnungen im Ge­schichtsunterricht wichtiger denn je, und zwar aus zwei Gründen. Erstens sind "Versailles" und die zahlreichen weite­ren Abkommen die "Mutter aller Nachkriegsordnungen", vergleichbar wohl nur noch mit dem Westfälischen Frieden. Die Erfahrungen des fragilen Friedens nach 1918 bildeten auch den Hintergrund für die Nachkriegsordnung seit 1945. Zweitens sind viele der heu­tigen Konflikte in Europa, Asien und Afrika eine Folge der schwierigen Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg. Geschichte und Gegenwart hängen bei diesem Thema eng zusammen. Nur auf den ersten Blick erscheint 1918 mit dem offiziellen Waffenstillstand im Westen als formelles Ende des Weltkriegs. Tatsächlich aber markiert das Jahr den Beginn eines gleitenden, überaus konflikt- und folgenreichen Übergangs, der mehrere Jahre andauerte und erst im Laufe der 1920er-Jahre in eine (relativ kurze und fragile) Friedensperiode mündete. Dieses Phänomen eines "langen Nachkriegs" galt nicht nur für Osteuropa, wo ganze Armeen unterschiedlicher europäischer Staaten um die Oberhand kämpften. Auch das Deutsche Reich war, ähnlich wie zur gleichen Zeit etwa Finnland, Russland und Irland, noch jahrelang Schauplatz ganz realer, erbitterter Kämpfe mit tausenden Toten. In dieser Situation rangen in Europa und darüber hinaus ganz unterschiedliche Vorstellungen von staatlicher und überstaatlicher Ordnung miteinander um gesellschaftlichen Einfluss und politische Geltung – vom Selbstbestimmungsrecht der Völker bis zu ethnozentrischen und rassistischen Überzeugungen, von Versuchen zur Schaffung demokratischer Strukturen bis zu autoritären und totalitären Umstürzen, von Friedenssehnsucht bis zu Revanchegelüsten und Kriegsverherrlichung. Das Heft führt mit Blick auf das Schlüsselproblem "Krieg und Frieden" in die Thematik ein und weist immer wieder auf Gegenwartsbezüge und aktuelle Konflikte hin, die sich aus der Beschäftigung mit dem Zeitraum 1918 bis 1923 ergeben.

 

2019

Christoph Strupp / Malte Thießen (Hrsg.): Rathausplätze als Arenen urbaner Selbstverständigung. Themenheft von Moderne Stadtgeschichte 1/2019, Deutsches Institut für Urbanistik: Berlin 2019

Rathausplätze sind Räume, in denen Stadtgesellschaften verhandelt werden. Das Themenheft widmet sich Rathausplätzen daher als Arenen urbaner Selbstverständigung in internationaler Perspektive und fragt nach dem Zusammenhang zwischen städtischen Topografien und sozialen Ordnungen, zwischen Plätzen, Orten und sozialer Zugehörigkeit und Wertigkeit. Diese und weitere Fragen werden in der Einführung der Heft-Herausgeber Christoph Strupp (Forschungsstelle Zeitgeschichte Hamburg) und Malte Thießen (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte/Universität Oldenburg) aufgeworfen, um Potenziale und Perspektiven des Forschungsfelds zu skizzieren. Anschließend setzt sich Karen Vannieuwenhuyze ‚Using and Producing Urban Political Space‘ mit der politischen Inanspruchnahme des Antwerpener Rathausplatzes im 19. Jahrhundert auseinander. Hana Svatošová beleuchtet den Altstädter Ring in Prag als zentralen Ort städtischer und nationaler Geschichte. Erika Szívós thematisiert Budapest als Stadt mit ‚vielen Herzen‘ für den Zeitraum vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Bei der Herz-Metapher bleibt Christoph Strupp in seiner Darstellung des Hamburger Rathausmarkts in der Spannung zwischen lokaler Politik und medialer Öffentlichkeit in den 1970er und 1980er Jahren. Janine Schemmer greift ein aktuelles Thema auf, indem sie "Plätze des Protests" in Venedig im Kampf gegen den Ausverkauf der Stadt an den Massentourismus ins Zentrum stellt. Plätze ganz anderer Art werden in den beiden letzten Beiträgen des Schwerpunkts behandelt, zunächst im texanischen Dallas – Fort Worth, wo Kathryn Holliday und Colleen Casey dem Rathausplatz im Zeichen des Sprawl eine andere Funktion beimessen, dann in Argentinien, wo Melisa Pesoa die Gestaltung republikanischer Plätze in Bestrebungen der Gesellschaftsreform durch Stadtreform stellt. Das Thema wird abgeschlossen mit einer Leitrezension von David Templin, der den Sammelband von Christoph Bernhardt, ‚Städtische öffentliche Räume‘ bespricht.

2020

Ralf Blank / Andreas Korthals / Marcus Weidner: Hagen 15. März 1945. Zerstörte Stadt, Besetzung und Kriegsverbrechen (= Hagener Beiträge zur Kultur und Geschichte, Bd. 1), Klartext: Essen 2020

Am 15. März 1945 wurde die südwestfälische Großstadt Hagen von einem letzten britischen Luftangriff getroffen. Das Bombardement forderte fast 700 Tote, mindestens 373 Menschen verloren in einem als „bombensicher“ angesehenen Hochbunker ihr Leben. Große Teile der Innenstadt und der angrenzenden Stadtviertel lagen in Trümmern. Fast auf den Tag genau einen Monat nach dem britischen Luftangriff eroberten US-Truppen die Stadt und die heute zu Hagen gehörenden Gemeinden. Die Bevölkerung geriet zwischen die Fronten, über 150 Menschen – Zivilisten und Soldaten – fanden während der Kämpfe um den 15. April 1945 meist durch Artilleriebeschuss den Tod. Im Hagener Stadtgebiet deckten die Alliierten zahlreiche durch die Geheime Staatspolizei in den letzten Kriegswochen begangene Kriegsverbrechen auf. Darunter war auch ein „Fliegermord“ an einem kanadischen Offizier, der am 15. März 1945 mit dem Fallschirm über Hagen abgesprungen war. Dieser „Hagen Waldfrieden case“ wurde nach umfangreichen Ermittlungen vor einem britischen Militärgericht verhandelt. Die vorliegende Publikation untersucht den 15. März 1945, seine Vorgeschichte sowie die Folgen des britischen Flächenangriffs. Die Eroberung und Besetzung des Hagener Stadtgebiets wird anhand von neu erschlossenen Quellen untersucht. Der „Fliegermord“, die Ermittlungen und der im September 1946 eröffnete Strafprozess gegen einen Wehrmachtsoffizier und sechs frühere Mitarbeiter der Hagener Gestapo sind im letzten Kapitel das Thema einer umfassenden Darstellung.