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(Nach-)Kriegsgesellschaften in Westfalen 1938 - 1948

Bearbeiterin und Bearbeiter: Matthias Frese, Julia Paulus

Auf der am 4. und 15. Dezember 2017 stattgefundenen Tagung "Exil, Flucht, Vertreibung, Rückkehr. Migrationserfahrungen 1938 - 1950 in Selbstzeugnissen" wurde an konkreten Beispielen – vornehmlich über Ego-Dokumente und Interviews – die Erinnerungsgeschichte von (Re-)Emigration, Flucht, Vertreibung, Rückkehr und Exil in Westfalen in den Mittelpunkt gestellt. Ein zentrales Forschungsthema stellen hierbei zum einen die vielfältigen, zumeist erzwungenen Migrationserfahrungen der Verfolgten, Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter, Kinderlandverschickten, der ausgebombten und aufs Land geflüchteten Bevölkerung vor 1945, der Flüchtlinge, Displaced Persons und der Vertriebenen sowie der Rückkehrer nach 1945 dar. Zum anderen sollen die Erfahrungen der ortsansässigen Aufnahmegesellschaft in den Blick genommen werden. Geplant sind Beispiele aus allen Teilregionen Westfalens wie auch aus Vergleichsregionen. Ansprechpartner sind hierbei Archive, Museen, der Heimatbund, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die interessierte Öffentlichkeit.

Das Tagungsprojekt ist eingebunden in das Forschungsprojekt "(Nach-) Kriegsgesellschaften in Westfalen (1938 - 1948)" (zur Pressemitteilung), das sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen, den Lebensverhältnissen und den Wahrnehmungen des NS-Regimes von Kriegs- und Nachkriegszeit beschäftigt. Wie erlebten, erfuhren und wie erinnerten Männer und Frauen, alte und junge Menschen in der Stadt und auf dem Land die Zeit zwischen 1938 und 1950? Das Projekt wählt eine Mikroperspektive und untersucht die städtischen und ländlichen Eigenheiten, die Einwirkungen des NS-Regimes und die Bindekräfte sozialer Milieus, Traditionen und Institutionen. Als Quellenbasis werden in erster Linie Ego-Dokumente herangezogen, u.a. Erinnerungsberichte, Tagebücher, Schulaufsätze, Chroniken, sowie Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ausgewertet.

In den Jahren 2014 und 2015 – nach einer Rundfrage in allen westfälischen Archiven und Heimatvereinen – haben die Projektverantwortlichen gemeinsam mit Studierenden in drei aufeinander folgenden Seminaren an der WWU-Münster diese Ego-Dokumente einer ersten Auswertung unterzogen.

Vor diesem Hintergrund veranstalteten Matthias Frese und Julia Paulus im Juni 2015 einen Workshop zum Thema "Zeitzeugenschaft und mündliche Erinnerung", dessen Beiträge noch im gleichen Jahr in der Institutszeitschrift "Westfälische Forschungen" (Band 65 (2015)) veröffentlicht wurden (zur Veröffentlichung).

Kriegsende 1945 in Westfalen. Foto: US-National Archives/LWL-Medienzentrum